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Komet „Stubenberg“: 4,5 Milliarden Jahre Zeitgeschichte

Meteoriten-Forscher Dieter Heinlein präsentiert in Stubenberg Fundstücke vom sensationellen Meteoriten-Niedergang im März 2016

„Es ist eine Sensation die sich in Ihrem Ort zugetragen hat“, begann Meteoriten-Forscher Dieter Heinlein nach kurzer Begrüßung seinen Vortrag im Mai 2017 im Gasthaus zur Hofmark in Stubenberg. Rund 50 Interessierte, darunter auch Stubenbergs Bürgermeister Willi Galleitner, hatten sich eingefunden um sich über ein Ereignis zu informieren, das Stubenberg am 6. März 2016 weltweite Aufmerksamkeit eingebracht hatte.
Ein großer Feuerball war in der Nacht von Sonntag auf Montag niedergegangen und hatte dabei etliche Menschen in Aufregung versetzt. Bis ins Saarland war der helle „Bolide“ am Himmel zu sehen, der zuerst von mehreren Kameras in Tschechien erfasst und fotografiert worden war.

„In Bayern sind über Jahrhunderte hinweg nur sieben Meteoritenfälle verzeichnet. Fünf davon konnten beobachtet werden. Aber das so wie hier, eine Feuerkugel zu sehen ist, der Fall berechnet wurde und dann auch die Suche nach den Überresten erfolgreich möglich ist, dies geschieht nur alle paar Jahrzehnte", erklärte Heinlein begeistert und zeigte den Anwesenden mittels Beamer-Präsentation verschiedene Schaubilder und Animationen zum Kometen-Absturz.

So zerfiel der 4,5 Milliarden Jahre alte und rund 600 Kilogramm schwere Meteor beim Eintritt in die Erdatmosphäre in mehrere Fragmente, die dann über Frauenstein und Ering hinweg, in einem mehrere Quadratkilometer großen Gebiet westlich von Stubenberg auf Waldstücken, Äckern und Wiesen niedergingen.

Unmittelbar nach Bekanntgabe des Absturzes durch verschiedene europäische Fotostationen, starteten Wissenschaftler und Hobby-Astronomen aus der ganzen Welt Ihre Reise ins Rottal, um die Funde zu bergen. Heinlein, der selbst in Augsburg wohnhaft ist, begann am 12. März die Expedition mit seiner Ehefrau und einem 12 Mann starken Team, das sich aus befreundeten Meteor-Kennern und freiwilligen Helfern aus Bayern und Oberösterreich zusammensetzte.

Dabei nutzte er die Bilder und Berechnungen des tschechischen Astronomen Pavel Spurný vom Observatorium in Ondřejov (Tschechien). Aufgrund der exakten Daten gelang es bereits zwei Stunden nach Suchbeginn zwei Meteoriten-Suchern aus Linz, auf einem Acker nahe der B12 die ersten beiden, nur rund Golfball-großen Fragmente (29 g) aufzuspüren. In den folgenden Wochen wurden noch weitere kleinere Meteoriten-Teile gefunden.


Der Königsfund aber gelang am 1. April 2016. Die Augsburger Ralph Sporn und Martin Neuhofer, die 2002 bereits den Meteoriten „Neuschwanstein“ entdeckt hatten, bargen nach fast sechswöchiger Suche einen 1320 Gramm schweren Meteoriten in einem Erdloch im Stubenberger Wald. Dabei sicherten die Enthusiasten sowohl Fundstück als auch die Fundstelle für die Nachwelt.

Im Institut für Planetologie Münster sowie im Max Planck Institut Heidelberg wurden die Bruchstücke und Splitter mit einer Gesamtmasse von rund 1,5 Kilogramm schließlich genau analysiert und am 12. Mai 2016 von der „Meteoritical Society“ als herausragend dokumentierter Fall offiziell mit dem Namen „Stubenberg“ benannt. Die Auswertungen anhand der gefundenen Inhaltsstoffe in den Objekten tragen dazu bei, die Entstehungsgeschichte des Universums weiter zu rekonstruieren.

Im Festsaal präsentierten Dieter und Ehefrau Gabriele Heinlein zusammen mit den beiden Findern den „Stubenberg“ feierlich. Bürgermeister Galleitner zeigte sich beeindruck und erwarb für die Gemeinde ein Replikat des Fundstücks: „Stubenberg erhielt durch diesen Meteorit große Bekanntheit.

Besucher aus Europa und der ganzen Welt haben sich auf den Weg hierher gemacht. Dies ist ein einzigartiges Ereignis, auf das die Gemeinde stolz ist. Das originalgetreue Replikat wird zusammen mit Infomaterial in Kürze im Gemeindehaus ausgestellt werden!“, so Galleitner.

Im Anschluss des Vortrags stand Heinlein allen Interessenten Frage und Antwort. Da es noch immer möglich ist Meteoriten-Teile aufzuspüren, waren vor allen Dingen Tipps rund um die richtige Suche sehr gefragt. „Die Fragmente besitzen eine schwarze Schmelzschicht und einen geringen Eisenanteil. Per Metalldetektoren sind sie daher nicht zu finden. Aufgrund der schwarzen Farbe und ihrer auffälligen Struktur unterscheiden sie sich dennoch von ihrer Umgebung.

Wer fündig wird, meldet dies am besten den offiziellen Stellen und sichert den Fundort“, so Heinlein. Dass dennoch Verwechslungsgefahr besteht, zeigten die Mitbringsel mancher Besucher. Vom Erdklumpen bis hin zum verdorrten „Schwammerl“ wurden zahlreiche verkappte „Meteoriten-Teile“ schnell enttarnt.

Quelle: Passauer Neue Presse

  • Der Komet "Stubenberg" wird im Gemeinde-Rathaus ausgestellt
  • Pavel Sparny und Dieter Heinlein
  • Die Absturz Region der Kometen-Teile