Panel öffnen/schließen

Interview mit Pfarrer Kieweg: "Stubenberg - ein schönes Fleckerl auf Erden!"

Pfarrer Peter Kieweg spricht im Interview über seine Passion als Pfarrer, das Leben in Stubenberg und seine persönlichen Ziele.

Gemeinde Stubenberg: Herr Kieweg, Sie sind jetzt seit fast acht Jahren Pfarrer in der Gemeinde tätig. Wie haben Sie sich in diesen Jahren in der Gemeinde eingelebt? Was ist für Sie das Besondere an der Gemeinde und gibt es etwas, was Sie besonders wertschätzen?

Peter Kieweg: Das Einleben ging eigentlich ganz schnell. Privat ist da zum einen eine Wohnung wichtig, in der man sich wohlfühlt. Das war bei mir nach dem Einzug ins Prienbacher Pfarrhaus eigentlich sofort der Fall. Zum anderen sind die Pfarrgemeinden ja von überschaubarer Größe, so dass man mit den im kirchlichen Gemeindeleben Aktiven auch schnell bekannt wird.
Als dann der Zuwachs mit Ering, Kirn und Münchham kam, war die Situation erst einmal eine andere, zunächst mit der Frage, ob das etwas Kurzfristiges ist und man nur ein paar Monate „verwaltet“, aber auch der Situation, dass ich alleine war mit den fünf Pfarreien. Das hat auch zusammenwachsen lassen, genauso wie mancher Todesfall, der uns als Pfarreien getroffen hat, den man dann gemeinsam zu ertragen hatte, wo es aber auch galt, gemeinsam unseren Weg als Gemeinde fortzusetzen.

Wenn ich von der „Gemeinde“ spreche, dann ist das für mich immer der Pfarrverband. Besonders wertschätze ich die Schönheit der acht Kirchen, die wir haben, sowie den landschaftlichen Reiz drumherum. Wenn man zum Beispiel von Fürstberg Richtung Stubenberg fährt und das Gebirge ist zu sehen, das ist jedes Mal ein traumhafter Anblick.

Oder der Ausblick von Bertenöd oder Henhart, die Wanderwege um’s Kirntal oder der Bereich der neuen Fischtreppe in Ering… Da darf man wirklich, wie Papst Benedikt das oft gesagt hat, dem Herrgott danken, dass er uns so ein schönes Fleckerl auf Erden für unser Dasein geschenkt hat.

Mich freut die Heimatverbundenheit der Leute, auch was das Engagement für die jeweilige Pfarrei betrifft und dass man in einem guten Sinn für sie streitet. Als Leiter des Pfarrverbandes muss ich natürlich das Gesamte im Blick haben und versuchen, die rechte Waage zu halten zwischen Pfarrverbands- und Pfarreidenken. Über jeden, der auf diesem Weg mitgeht und dabei im Denken auch Grenzen einreißt, ohne dem Eigenen untreu zu werden, freue ich mich besonders. 

Gemeinde Stubenberg: Sie sind mit 39 Jahren ein noch relativ junger Pfarrer. Wie kamen Sie auf die Idee, Pfarrer zu werden und wie sah Ihr Werdegang bis heute aus?

Kieweg: Die Idee Pfarrer zu werden kam jetzt nicht sonderlich spektakulär daher. Man berichtet, dass ich schon in frühestens Kindestagen im Garten die Sonntagsmesse noch einmal nachgespielt habe. Noch vor der Erstkommunion wurde ich aufgrund Ministrantenmangels - gab es also 1989 auch schon - Ministrant.

In meiner Passauer Heimatpfarrei Auerbach habe ich dann immer mehr Aufgaben übernommen und irgendwann kam der logische Entschluss, nach dem Abitur ins Priesterseminar einzutreten. Nach vier Jahren Studium in Passau und einem Jahr in Würzburg war 2005 die Diakonen- und 2006 die Priesterweihe. Es folgten Kaplanstellen in Grafenau, Burghausen und Tann, ehe es 2012 nach Prienbach und Stubenberg ging.

Gemeinde Stubenberg: Der Kirche wird immer häufiger angelastet, nicht mehr dem Zeitgeist zu entsprechen und gerade jüngere Generationen nicht mehr zu erreichen. Fällt es Ihnen aufgrund Ihres Alters etwas einfacher, junge Gläubige zu erreichen?

Kieweg: Aus meiner Sicht ist diese Kritik selbst kein zeitgeistliches Phänomen. Also: dass die Kirche dem Zeitgeist nicht entspricht, das gilt eigentlich von Anfang an. Jesus selbst hat nicht dem Zeitgeist, man könnte auch sagen: den allgemeinen Erwartungen entsprochen. Wenn man in die Kirchengeschichte schaut, dann sind vor allem dort dunkle Kapitel, in denen sich Kirche viel zu sehr mit der Welt verbandelt hat.

Insofern bleibt die Kirche immer auch ein Kontrast, der Widerspruch hervorruft. Im Wort Pfarrei und mit ihm in der Bezeichnung Pfarrer schwingt die Bedeutung „Fremde“ oder „Fremder“ mit. Das gehört zu ihrer Berufung mit dazu, zu ihrer Botschaft, die sie zu verkünden hat.

Das tangiert dann auch die Frage hinsichtlich der Jugend. Zudem sind die Automatismen der sogenannten Volkskirche weggebrochen und bröckeln weiter. Wer heute als junger Mensch in die Kirche geht, muss sich sogar vielfach rechtfertigen, manches Mal wird es - so hart das klingt - von Zuhause aus auch verboten, zum Beispiel das Ministrieren. In aller Regel haben wir in meinen Religionsstunden in der 3. Klasse immer eine gute Stimmung, aber das verhindert nicht das Fernbleiben nach der Erstkommunion.

Ansonsten würde ich den Bonus meines biologischen Alters nicht sehr hoch ansetzen, zumal ich auch schon wieder gut doppelt so alt bin wie die Jugend von heute. Und als Pfarrer ist man ja von Beruf aus gläubig… das hat jetzt nicht die wahnsinnige Mitreißkraft. Besser ist es, wenn wirklich junge Leute um die 20 ein paar Jahre jüngere von ihrem Glaubensleben erzählen, die dazu stehen und sich nicht schämen.

Wenn ich mich an meine eigene Ministrantenzeit erinnere: Es waren erst die Oberministranten, zu denen wir aufgeschaut haben, und dann waren wir es selbst, die die Jugendarbeit in Händen hatten. Jugend für Jugend, das halte ich nach wie vor für das beste „Rezept“.

Damit möchte ich nicht sagen, dass der Pfarrer oder generell Erwachsene sich von dieser Arbeit dispensieren dürften, keinesfalls. Wir sind auch dabei, auf der Ebene des Dekanates ein Jugendprogramm zu entwickeln, auf der Ebene des Pfarrverbandes sind wir für die Kinder daran gewesen, etwas auf den Weg zu bringen. Es kam uns leider Corona dazwischen und hat uns gestoppt. Aber wir bleiben am Ball.

Gemeinde Stubenberg: Sind in Zeiten von Corona und der wachsenden Digitalisierung aus Ihrer Sicht neue Herangehensweisen bei Predigten gefragt und wenn ja, wie sieht hier Ihre Philosophie aus?

Kieweg: Grundsätzlich war ich hinsichtlich Digitalisierung eh schon aufgeschlossen. Im letzten Schuljahr habe ich meinen Religionsunterricht komplett auf Powerpoint umgestellt, was mir jetzt beim Homeschooling die Arbeit erleichtert hat. Auch in der Liturgie sind wir immer wieder mit Beamer und Laptop unterwegs, hin und wieder benutze ich das dann auch bei einer Predigt. Im Internet sind wir via Homepage und Facebook aktiv, was in der Corona-Zeit natürlich eine Möglichkeit war, Kontakt zu halten und gemeinsames Gebet zu ermöglichen. Da bin ich aber wie letztlich in allem auch ein Lernender und ein so manches Ausprobierender.

Was davon sich in der Nach-Corona-Zeit erhält, wird sich zeigen. Es ist uns aber auch in diesen Wochen deutlich geworden, dass die Kirche eine Gemeinschaft ist, für die die leibliche Versammlung unersetzbar ist. Das Digitale kann allenfalls eine Ergänzung sein oder, wie aktuell, ein Notprogramm.

Gemeinde Stubenberg: Welche Pläne und Ziele haben Sie für die Zukunft? Sehen Sie sich dauerhaft in Stubenberg, oder gibt es auch bei Ihnen einen gewissen Karriere-Traum vom Vatikan, Rom etc.?

Kieweg: Alle Stellen, in denen ich bis jetzt war, sind mir wie die jetzige eigentlich zugewiesen worden, oder es hat sich aus gewissen Umständen so ergeben. Freie Pfarrstellen im Bistum schaue ich mir immer wieder an, aber bewerbe mich nicht darum. Sollte der Bischof irgendwann mal meinen, ich sollte woanders hingehen, wird man darüber reden.

Aktuell sehe ich dafür keine Anzeichen, auch wenn es schon mein achtes Jahr hier ist, oder vielleicht weil es erst mein achtes Jahr ist. Das kann man so oder so sehen. Schwierig wird es ja, wenn sich ein Trott einstellt, man Jahr für Jahr dasselbe Programm abspult und die Vitalität leidet. Das sehe ich so jetzt nicht.

Wir sind auf einem sehr lebendigen Weg, wie uns auch bei der jüngsten Visitation bescheinigt wurde, sind ein vergleichsweise experimentierfreudiger Pfarrverband, so dass sich Langeweile eigentlich nicht einstellt, zumindest bei mir nicht.

Dann gibt es mit der Wallfahrtskirche St. Anna ein Bauprojekt, das mir sowohl am Herzen, aber manches Mal auch schwer im Magen liegt. Und das möchte ich eigentlich voranbringen und - hinsichtlich von über 25 Jahren Baugeschichte ein großes Wort - zu einem guten Ende bringen, zumal mir dieser Ort sehr lieb geworden ist.

Und nicht zuletzt haben wir mit dem Münchhamer Andreas Ragaller einen Kandidaten für den Ständigen Diakonat, der auf einem guten wie flotten Weg ist und den ich als Pfarrer und mehr noch als Freund sehr gerne zur Weihe hin, aber auch dann als „jungen“ Diakon begleiten möchte.

Aber der Mensch denkt und Gott lenkt… und wir sehen, wie schnell durch irgendeinen Umstand alles ganz anders werden kann. Und Rom und Vatikan… da bin ich sehr gerne, zuletzt jährlich immer wieder für ein paar Tage - das ist schön, aber auch vollkommen ausreichend.

Gemeinde Stubenberg: Wir bedanken uns für das Gespräch!

Weitere Nachrichten