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Die Burg von Stubenberg

Resi und Toni Mayer und das Schloß von Stubenberg

Zu Beginn der Geschichte des Schlosses von Stubenberg hatte der Bau noch nichts mit dem späteren stattlichen Gebäude zu tun, er bestand lediglich aus einer gezimmerten Stube, wovon sich auch der Name der Gemeinde "Stubenberg" ableitet. Schon um 1160 wird ein "Wulvinch Junior de Stubenperch" genannt.

Nach dem Aussterben des Edelgeschlechtes von Stubenberg ging der Besitz an die "Closen von Arnstorf". Als erster Eigentümer wurde namentlich "Stefan von Closen zu Arnstorf" im Jahre 1250 genannt. Das Geschlecht der Closen lebte auf dem Schloß zu Stubenberg bis 1512. Dann wurde es an "Wolfgang Paumgartner" verkauft, der noch im selben Jahr verstarb und als erster dieses Geschlechtes in der Kirche zu Stubenberg begraben wurde. Das Schloß erbten die Brüder des Verstorbenen, nämlich Martin Paumgartner zu Preitenbach und Leonhard Paumgartner zu Hohenrain.

Als weitere Inhaber des Schlosses werden die Grafen von Lamberg und die Höhenkirchner zu Iffeldorf genannt. 1650 stirbt die Seitenlinie Höhenkirchner aus und die Herrschaft zu Stubenberg kommt an die Paumgartner zurück. In Folge des Österreichischen Erbfolgekrieges 1743 wurde das Schloß von den Österreichern mittels Pechkränzen angezündet und fast völlig zerstört. Im Jahre 1800 ließ Graf Karl von Stubenberg das Schloß halb abbrechen und verkaufte die noch stehengebliebenen Teile nebst sämtlichen Grundstücken, mit Ausnahme der Waldungen, an Privatleute.

Anfang des 20. Jh. war die Besitzerin eine Frau Therese Hödl, sie betrieb eine kleine Landwirt-schaft, die gerade eine Kuh und ein Jungrind füttern konnte. Als Frau Hödl im Jahr 1958 starb, übernahm deren Tochter Agnes den schon recht heruntergekommenen Besitz. Sie heiratete in den 60iger Jahren Ferdinand Sieger aus Nöfing/OÖ. und zog nach Österreich. In Stubenberg wohnte ein älteres Ehepaar. Die Landwirtschaft wurde nicht mehr betrieben.

Als im Dezember 1971 Herr Sieger verstarb, war seine Frau gezwungen, die Burg zu verkaufen.


Im Sommer 1972 kauften Anton und Therese Mayer die Burgruine. Von dem einst stattlichen Schloß war nurmehr eine verfallene Ruine übrig geblieben. Im Jahr 1976 begann die Familie Mayer mit der Reparatur der rechten Burghälfte, die 135 cm dicke Burgmauer stand kurze Zeit alleine da, bis im Herbst 1976 endlich wieder ein Dach über der Burg war und auf der rechten Seite ein schöner Rohbau stand. Im Jahr 1980 wurde der Rest in Angriff genommen, bis 1982 das Werk dann vollendet war und eine Münchner Familie in das Schloß einziehen konnte. Dank der Einsatzbereitschaft und der Mühe der Familie Mayer konnte der Gemeinde Stubenberg ein Zeugnis ihrer Geschichte erhalten bleiben.

Sagen und Geschichten aus Stubenberg

Viel Zeit ist vergangen in Stubenberg, Not und Elend hat es genug gegeben, aber auch bessere Zeiten und die Freude am Dasein. Traditionen und Brauchtum wurden geschaffen und verschwanden wieder, Geschichten wurden erzählt und wieder vergessen. Aber ein paar dieser Geschichten haben es geschafft, daß sie bis in die Gegenwart erzählt werden, zu Sagen geworden und trotzdem Zeugnis eines früheren Lebens.

1. Die goldene Kutsche

Der Volksmund gibt von Jahrhundert zu Jahrhundert die Behauptung weiter, daß im Stubenberger Schlossberg eine goldene Kutsche vergragen sei. Ein weiteres Drum und dran fehlt; nur der Platz wird etwas näher bezeichnet, indem gesagt wird, daß man von der Hofmark-Seite aus (südwestwärts) in den Berg graben müsste.

2. Die Muttergottes von Stubenberg

Im Jahre 1716 brach der bayerische Soldat Hans Weeger nachts in die Kirche zu Stubenberg ein, leerte den Opferstock aus, stieg auf den Frauenaltar und fing an, die Mutter Gottes ihres Schmuckes zu berauben. Sie war mit einem blauen, silber bestickten Mantel bekleidet, der mit glänzenden Münzen, Ringen und anderen geopferten Gezierden reich behangen war.

Als der Räuber nach einem schimmernden, viereckigen Taler griff, kam in das hölzerne Bild Leben. Die Mutter Gottes beugte sich nieder und legte ihre Hand mit hartem Griff um die Diebeskrallen. Der Schelm starrte erschreckt zu ihr auf; sie aber fing an zu reden und sprach: "Mein Kind, was willst hier machen?" Da sank er in die Knie und stammelte: "Ach, du seligste Mutter Gottes, ich bin ein armer Mensch; und muß rauben, weil ich nicht betteln darf - damit ich meinen Kindern kann ein Brot schaffen!" "So gehe hin und kaufe deinen Kindern Brot - jetzt wird dir zwar nichts geschehen, ", entgegnete die Gottesmutter, "aber innerhalb 6 Jahren wirst du gerichtet werden. Leugne aber nicht, was du geraubet hast, alsdann sage dieses der Geistlichkeit, damit es offenbar - und naher Stubenberg vernachrichtet werde."

Der bayerische Soldat Weeger hörte ersteres lieber als letzteres. Er war voller Dank gegen die Gütige, aber er blieb ein Schelm wie zuvor. In die Kirche von Stubenberg brach er vorerst nicht mehr ein, aber landauf, landab in andere. Er brauchte nicht zu betteln.

Sechs Jahre gingen um, da fiel ihm ein, daß er doch auch der Mutter Gottes von Stubenberg wieder einen Besuch abstatten sollte. Sie war gütig und hing wohl auf´s Neue voll silberner Opferzier.
In einer finsteren Nacht stand er wieder auf dem Frauenaltar und langte nach den glänzenden Ringen und Münzen. Da faßte die heilige Hand der Gottesmutter abermals nach der seinen, hielt sie fest und ließ sie nicht mehr los, bis die Schergen kamen.
Er berichtete alles, wie es gewesen war und leugnete seine Taten nicht. 1722 wurde Hans Weeger hingerichtet.

Auf einem, im linken Seitenschiff der Kirche befindlichen, aus dem 18. Jhd. stammenden, Gemälde ist dieser Vorfall berichtet.
Dieser Vorfall wurde in der weiteren Umgebung bekannt und machte Stubenberg zu einem Wallfahrtsorft. Zwar setzt man den Beginn der Wallfahrt hierher schon in das Jahr 1442, von 1722 ab entwickete sie sich aber erst in hohem Maße. Bis etwa 1920 kamen regelmäßig Wallfahrer, seitdem ist diese etwas in Vergessenheit geraten.

3. Hugo von Lichtenburg

Hugo von Ortenburg-Lichtenburg kommt gerne nach Lichtenburg um der Jagd (in Ranshofen) nachzugehen. Er hat brieflich beim Grafen von Erneck (bei Ering) um die Hand seiner Tochter Elisabeth angehalten. Dieser, sein Feind, aber hat sie dem Herrn von Frauenstein, seinem Zechgenossen, versprochen, dessen Hand anzunehmen Elisabeth sich weigert. Der Vogt Dittrich von Lichtenburg steht im geheimen Bunde mit den beiden Grafen, übermittelt dem Hugo einen Brief des Inhalts, daß er sofort nach Wien zum Kaiser sich zu begeben habe, um über die Treulosigkeit der Grafen am Inn Rechenschaft zu geben. Trotz Warnung eines Unbekannten und der Zwerge von Pettenau tritt er die Reise an.

Hugo hatte dem Ernecker gedroht, daß er sich selbst die Hochzeitsfackel anzünden werde, (d.h. mit Gewalt die Braut rauben werde) wenn er seine Bitte abschlagen würde. Diese Drohung hatte der Ernecker mit den Worten erwidert, daß er eine Fackel anzünden werde, die leuchten solle von Lichtenburg bis Braunau - und diese Drohung macht er nun wahr. Die Ernecker und Frauensteiner ziehen gegen Lichtenburg, stecken die Burg in Brand und freuen sich ihres Zerstörungswerkes. Mittlerweile kommt Hugo zurück, dringt voll Wut mit seinem Schwert auf die beiden ein, fällt aber im Zweikampf mit den Zweien. Hans von Schachen, der "rote Hans" genannt, entzündet den Pulverturm, sodaß alle Umstehenden (die beiden Ritter und er selbst) unter den Trümmern begraben werden.
Die Zerstörung der Burg ist auf das Jahr 1472 datiert.

4. Die Zwerglein von Pettenau

Bei Pettenau am Berabhang, rückwärts der Gehöfte, mitten unter hohen alten Bäumen, zeigt man zwei Höhlen, von welchen eine halb eingefallen, die andere am Eingang schon fast verschüttet ist. Erstere, nur so hoch, daß man in ihr kaum stehen kann, trägt an ihren festen sandigen Wänden dicken Ruß und wird als die ehemalige Zwergenküche bezeichnet, welche nach oben hin durch einen Kamin ins Freie führt. Unweit dieser Höhlen findet man außerdem noch eine Menge tief in die Erde reichende alte Gänge, aus welchen eine Heimkehr nicht mehr möglich erscheint, da Jagdhunde, welche sich dorthin verirrten, lautlos verschwanden.

In diesen Höhlen lebten einst die Bergwichtel von Pettenau, ein altes treues Ehepaar, als Diener guter Menschen. Kein Hagel und kein Blitz schlug in ihr Tal. Pflichtgetreu säuberten sie nachts die Felder von Stein und Drill, fütterten am frühen Morgen den faulen Mägden die Kühe, säuberten Stall und Diele und tränkten den faulen Kenchten die Pferde. Dankbar legten die Menschen kleine Münzen, von welchen dreien ein Arbeiter täglich leben konnte. Dem Menschen sichtbar waren sie nie; ihre Tarnkappe machte sie unsichtbar. Wehe, wenn sie sie vergaßen.

Aber die Menschen wurden schlechter, immer toller trieben sie es mit ihnen. Nicht allein, daß sie ihnen schlechte Speisen legten, sie pickten auch die Eier auf, die sie ihnen hinterließen, füllten sie mit allerlei schlechten Sachen und verpappten sie wieder mit Wachs.

Als die Zwerglein einmal in der Nacht dem faulen Knecht beim Jungbauer in Pettenau den Stall säuberten, hatten sie arglos die Tarnkappe abgelegt. Da hatte ihnen der Knecht aufgelauert, er packte das Männlein und warf es zu Boden. Der Zwerg aber, mit unheimlicher Kraft, erhob sich, schleuderte den Knecht in die Ecke und eilte mit dem Weiblein unter der Tarnkappe davon.

Schmerzlich klagend über die Ruchlosigkeit der Menschen, eilten sie beraufwärts in ihre Höhlen, packten ihre Schätze und ihr Silbergeschirr zusammen und wandten sich dem Wasser zu bei Mühlau. Dort riefen sie dem Schiffer im Häuschen am Inn, der sie überfuhr. Sie gaben ihm als Lohn die neue weiße Silbermünze, welche Herzog Georg anstatt der schwarzen erst hatte schlagen lassen, welche sich aber nicht im Volk einbürgern wollte. Unwillig besah sie der Fischer, als er sie aber in seinen Beutel steckte, sprudelte es vor lauter gleichen Gesellen über, bis er es verschloß. So geschah es täglich und seine vielen Kinder hatten keine Not.

Die Zwerglein aber eilten fort. In Ranshofen ließen sie sich den Menschen zum letzten Male sehen. Sie zogen wohl zu ihren Brüdern und Schwestern nach dem Untersberg.

5. Die zwei Welschen

Droben im Hart zieht sich der Kammlinie entlang in Richtung Fürstberg ein Fahrweg. Ungefähr östlich von Bildenöd, an einer Stelle, wo 5 Wege auseinander gehen, befindet sich an einem Eichbaum ein nicht von künstlerischer Hand geschaffenes Bild, auf dem Brett aufgeklebt und durch ein Gitter geschützt. Oben ist im Brett eingeschnitten die Jahreszahl 1742.

Das Bild selbst zeigt in der Mitte die Muttergittes mit Himmelskrone; links im Hintergrund sind zwei Reitpferde sichtbar, die an Bäumen angehängt sind. Im Vordergrund links gibt ein Ritter mit Sporen eben einen Schuß ab. Ihm gegenüber stürzt ein anderer Ritter, seine Waffe über den Kopf erhoben sich eben entlädt, nach rückwärts. Darunter steht folgender Text:

Steh still du fremder Passant!
hier haben zwei aus dem Welschenland
sich geschossen um ihre Ehr.
Soviel weiß man, leider nicht mehr.
Mit Reisig deck ihre Gräber zu,
dann gibt ihnen Gott die ewige Ruh.

Wie dieser Text schon besagt, weiß man lediglich, daß zwei Ritter sich an dieser Stelle duelliert haben. Wie sie hierher kamen (vielleicht weilten sie beim Stubenberger Schloßherrn zu Besuch) und was der Grund ihres Zweikampfes war, läßt sich nicht sagen.

Auffallend ist, wie getreulich bis zum heutigen Tag die Worte der letzten Verszeilen Beachtung finden; denn Tatsache ist, daß immer, zu jeder Jahreszeit, sich vor dem Baum ein Haufen mit Reisig befindet.

6. Hexenglauben

Bis Anfang des 20. Jahrhunderts hinein glaubten manche Menschen in unserer Gegend noch an Hexen. Der Bauer von Fünfeichen (verst. 1926) berichtete davon, daß zu bestimmten Zeiten Kinder schrien, die Säue nicht mehr fraßen, die Kühe kein Milch mehr gaben, ...

Gegen Hexen wurde am Tag vor dem Georgitag (23. April) der Tag eingeläutet mit allen Glocken. Dabei wurden Kreuze ausgesteckt in die Felder und zwar geweihtes Holz vom Karsamstag oder "Palmzweige" vom Palmsonntag. Alle Leute des Hofes klatschten während dieser Zeit auf den Feldern mit den Händen, wobei sie unentwegt schrien "Nutzt di nix, nutzt di nix". Die anderen steckten unterdessen die Kreuze aus.