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Mundart-Buch vom Stubenberger Willi Berger

Neues Mundart-Buch von einem Stubenberger Schriftsteller mit dem Titel "Was den Menschen ausmacht"

Stubenberg. Willi Berger ist nicht nur Kunsterzieher im Ruhestand, Kurator von Ausstellungen, Maler, Bildhauer und Vorstand des Stubenberger Kulturvereins, sondern auch Buchautor. Sein neuestes Werk nennt sich "Da Mensch und sei Leb’n".

 

Ein Mundart-Buch? Mitnichten. Viel mehr Bairisch wird man auf den 250 Seiten nicht finden. Aber der 68-Jährige verdeutlicht damit seine Herkunft aus einem "kleinen Dorf an der österreichischen Grenze". "Da Mensch", damit meint er eigentlich sich selbst, andererseits aber den Menschen ganz allgemein.

 

In seiner Buchpräsentation schreibt Berger, er wolle den Verlauf und die Schattierungen eines Lebens in vielfältigen Facetten aufzeigen. Was prägt uns in der Kindheit und wie gelingt eine Befreiung zu einem eigenständigen und selbstverantwortlichen Leben? All das zieht er auch an seiner eigenen Person auf, denn da kann er sozusagen aus dem Vollen schöpfen.

 

Eigene Erfahrungen werden reflektiert

Aber das Buch befasst sich auch mit gesellschaftlichen Entwicklungen, die einer ständigen Veränderung unterworfen sind und somit den Verlauf eines Lebens sehr stark beeinflussen. "Die eigenen Erfahrungen werden aus der gegenwärtigen Perspektive nochmals reflektiert", schreibt er. "Aber auch wahre und fiktive Lebensgeschichten sind darin festgehalten, die zum Weiterdenken anregen sollen."

 

Natürlich geht es in dem Buch vornehmlich um das künstlerische Werk des Stubenbergers. Damit wird es zu – wie der Untertitel sagt – einem "ungewöhnlichem Bilderbuch". Dennoch: In den breit gefächerten Skulpturen und Gemälden Bergers steht immer der Mensch im Mittelpunkt. Seit seiner Kindheit sind Zeichnen und Malen für ihn wesentliche Bestandteile seines Lebens und eine Möglichkeit, aus starren Konzepten und vielfältigen Zwängen auszubrechen und sich selbst zu verwirklichen.

 

Der Preis dieser Künstler-Freiheit erfordere freilich den Verzicht auf finanzielle Vorteile und den Mut zu zahlreichen Veränderungen. Immerhin vermacht man der Nachwelt zumindest einen künstlerischen Nachlass, während viele Menschen sterben, ohne Spuren ihres Weges zu hinterlassen. So rekonstruiert der Kulturvereins-Vorsitzende gegen Ende des Buches die Existenz eines verstorbenen Mannes alleine aus dem Inhalt eines hinterlassenen Aktenkoffers.

 

Seine Erkenntnis: "Es zeigt sich, dass der Mensch nichts im Leben festhalten kann. Es zerrinnt alles wie trockener Sand, der durch die Finger rieselt. Wir leben in einem goldenen Zeitalter und merken nicht, dass wir im Begriff sind, unseren Wohlstand zu verlieren." Die Politik packe wichtige Probleme nicht mehr an. In dieser Gesellschaft werde nur noch diskutiert und nicht mehr gehandelt, bemerkt Berger abschließend.

 

Denkanstöße dieser Art, Sozialkritik und Politik ziehen sich auch durch sein "Lebens-Buch". Einsichten und Ansichten, die ihm wichtig sind. Der Band ist im Querformat und von der Gestaltung her eigentlich ein Fotobuch. Längere Textseiten wechseln mit Bilderstrecken ab. Es gibt autobiografische Prosatexte sowie gelegentliche lyrisch anmutende Fragmente.

 

Als Kleinkind an einem Grammophon

Was auffällt: Die Seiten sind nicht nummeriert und es gibt auch kein Inhaltsverzeichnis. Die Widmung beginnt mit einem Foto Bergers als Kleinkind, an einem Grammophon stehend. Am Ende geht der gebürtige Stubenberger noch kurz auf seinen Werdegang ein: Lehre als Betriebsschlosser, Studium Grafik-Design in München, Studium Kunst und Technik in Bamberg, von 1976 bis 2016 Kunsterzieher an der Volksschule Tann, nebenher Fachberater für Kunst im Landkreis Rottal-Inn, seither als freischaffender Künstler tätig.

 

Natürlich ist auf den letzten Seiten auch das Virus zu sehen – als Kanonenkugel, auf der "Lügenbaron" Donald Trump reitet. Doch zurück zum Anfang: Nach ein paar einleitenden Seiten beginnt das Buch mit der Kindheit des Künstlers sowie Fotos aus dem Familienalbum. Einige von ihnen hat er bewusst verfremdet oder zu Collagen verarbeitet. Hinzu kommen selbst gezeichnete Bilder. Weiter geht es mit der Berufsausbildung und in dieser Zeit entstandenen Werken.

 

Nach diesem Abschnitt werden die Texte kürzer. So beim Abschnitt "Kunst in der Schule", wo auch zahlreiche Skulpturen entstanden. Berger zeigt hier auch die Arbeit mit den Tanner Schülern an diversen Projekten wie der "Arche Noah".

 

Dann ein heftiger Sprung: Der Autor berichtet über seinen Vater, der nach vielen Jahren erst in der Lage war, über seine Erfahrungen im Krieg zu sprechen. Hierzu steuert der Künstler einige düstere Bilder bei, bevor er wieder zurückkehrt zu "dem Menschen" in seinen vielfältigen Facetten.

 

Ein weiteres Kapitel ist Hermann Hesses "Steppenwolf" gewidmet, bevor Berger auf "Fast Food Junkies" und die Spaßgesellschaft eingeht. In der Folge sind viele Themen aus Gesellschaft, Showbiz und Politik anhand ausgewählter Gemälde zu sehen. Mancher Prominente ist dort nicht gerade vorteilhaft, aber immerhin treffend dargestellt.

 

Mit seinem "Herrgott von Stubenberg" startet Berger einen Abschnitt über Religion, der wieder sehr umfangreiche Texte enthält. Auch die Visionen des Mühlhiasl und anderer bayerischer Hellseher wurden von ihm illustriert. Nachfolgend Arbeiten aus der Serie "Bilder des Wahnsinns". Schließlich geht es noch um Alfred Kubin, dem der Stubenberger ein eigenes Buch gewidmet hat. Auszüge daraus sind hier zu sehen.

 

Ein inspirierender Dachbodenfund

Dann noch eine Reihe von Skulpturen, die den Menschen langsam seinem Ende näherbringen. Dies gipfelt im schon erwähnten Koffer voller Dokumente, den Berger auf einem Dachboden fand. Dabei geht es um Alois Marstaller, geboren am 12. September 1898 in München. Es ist spannend, was man aus den Unterlagen alles herauslesen kann.

 

Zusammenfassend lässt sich sagen: Wer "Da Mensch und sei Leb’n" liest, hat ein genaues Bild über das Werk, das Leben und die Gedankenwelt von Willi Berger. Es ist eine Art Bilanz des Künstlers, der aber sicherlich noch viele Pläne im Leben hat.

 

Das Buch erschien im Eigenverlag mit einer Auflage von 120 Stück und ist beim Autor sowie in der Buchhandlung Pfeiler in Simbach vorrätig.

 

Quelle: PNP

Weitere Informationen

Veröffentlichung

Mi, 26. Mai 2021

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