Bei Pettenau am Berabhang, rückwärts der Gehöfte, mitten unter hohen alten Bäumen, zeigt man zwei Höhlen, von welchen eine halb eingefallen, die andere am Eingang schon fast verschüttet ist. Erstere, nur so hoch, daß man in ihr kaum stehen kann, trägt an ihren festen sandigen Wänden dicken Ruß und wird als die ehemalige Zwergenküche bezeichnet, welche nach oben hin durch einen Kamin ins Freie führt. Unweit dieser Höhlen findet man außerdem noch eine Menge tief in die Erde reichende alte Gänge, aus welchen eine Heimkehr nicht mehr möglich erscheint, da Jagdhunde, welche sich dorthin verirrten, lautlos verschwanden.
In diesen Höhlen lebten einst die Bergwichtel von Pettenau, ein altes treues Ehepaar, als Diener guter Menschen. Kein Hagel und kein Blitz schlug in ihr Tal. Pflichtgetreu säuberten sie nachts die Felder von Stein und Drill, fütterten am frühen Morgen den faulen Mägden die Kühe, säuberten Stall und Diele und tränkten den faulen Kenchten die Pferde. Dankbar legten die Menschen kleine Münzen, von welchen dreien ein Arbeiter täglich leben konnte. Dem Menschen sichtbar waren sie nie; ihre Tarnkappe machte sie unsichtbar. Wehe, wenn sie sie vergaßen.
Aber die Menschen wurden schlechter, immer toller trieben sie es mit ihnen. Nicht allein, daß sie ihnen schlechte Speisen legten, sie pickten auch die Eier auf, die sie ihnen hinterließen, füllten sie mit allerlei schlechten Sachen und verpappten sie wieder mit Wachs.
Als die Zwerglein einmal in der Nacht dem faulen Knecht beim Jungbauer in Pettenau den Stall säuberten, hatten sie arglos die Tarnkappe abgelegt. Da hatte ihnen der Knecht aufgelauert, er packte das Männlein und warf es zu Boden. Der Zwerg aber, mit unheimlicher Kraft, erhob sich, schleuderte den Knecht in die Ecke und eilte mit dem Weiblein unter der Tarnkappe davon.
Schmerzlich klagend über die Ruchlosigkeit der Menschen, eilten sie beraufwärts in ihre Höhlen, packten ihre Schätze und ihr Silbergeschirr zusammen und wandten sich dem Wasser zu bei Mühlau. Dort riefen sie dem Schiffer im Häuschen am Inn, der sie überfuhr. Sie gaben ihm als Lohn die neue weiße Silbermünze, welche Herzog Georg anstatt der schwarzen erst hatte schlagen lassen, welche sich aber nicht im Volk einbürgern wollte. Unwillig besah sie der Fischer, als er sie aber in seinen Beutel steckte, sprudelte es vor lauter gleichen Gesellen über, bis er es verschloß. So geschah es täglich und seine vielen Kinder hatten keine Not.
Die Zwerglein aber eilten fort. In Ranshofen ließen sie sich den Menschen zum letzten Male sehen. Sie zogen wohl zu ihren Brüdern und Schwestern nach dem Untersberg.